Es heißt ja “aus Schmerz und Leid kann große Kunst entstehen”.

Was sie Euch nicht verraten ist, dass es für die große Kunst auch noch einer gehörigen Portion Talent und Durchhaltevermögen bedarf. So wird dies hier kein Buch und vielleicht noch nicht einmal eine Kurzgeschichte. Eher ein Pamphlet an all die, die sich aufraffen wollen und nicht wissen, wie.

Als mich die Liebe meines Lebens nach 26 Jahren ziemlich hart und ziemlich plötzlich verlassen hat, war er da, der “Schmerz”. Die ersten 3 Monate nach dem Big Bang war ich überhaupt nicht kreativ und wenn ich ehrlich bin auch in den folgenden Monaten war ich eher Gefreiter als General.

Noch viel zu dick 2019
Sommer 2019

Dabei war mein Selbstbild von jeher geprägt durch völlige Selbstsicherheit und Eigenliebe. Nach meiner Überzeugung kannst Du nur jemanden wirklich lieben, wenn Du Dich selbst liebst.

Doch der Schlag in die Magengrube nahm mir diese Seite erst einmal komplett. Plötzlich zweifelte ich an meiner Wertevorstellung, an meiner Meinung über beinahe alles und besonders an mir selbst.

Der Zynismus kam und durchtränke jede Faser meines Wesens – und Zynismus ist bekanntermaßen ein schlechter Begleiter und bestimmt kein Halt an einem verregneten Morgen.

Launisch und zynisch wird die Welt zu Grunde gehen und dabei auch noch schlechte Laune verbreiten.

Einfach mal einfach anfangen

Das wusste ich von Anfang an und heute um so mehr. Es dauerte aber knapp 3 Monate, bis irgendwie der Körper anfing, den Ton anzugeben, denn der Geist war vernebelt vom Schmerz. Dazu kam noch ein neuer Job, der anspruchsvoll und fordernd vorm Rechner die körperliche Starre begünstigte.

Zuerst habe ich einfach weniger gegessen. Ich hatte Angst, aus Trauer noch dicker zu werden und war der Meinung, meine 101 Kilogramm bei 1,80m Körpergröße waren irgendwie mit ein Grund warum meine sportliche Frau gerade zu meiner sportlichen Ex-Frau geworden war.

Winter 2021

Dabei hungerte ich mich in knapp 5 Monaten auf ca. 94 Kilogramm runter. “Hungern” ist dabei etwas angegeben, denn ich ließ einfach die Kohlenhydrate weg und verzichtete komplett auf Zucker – ich hatte auch einfach keinen Hunger, was wohl das einzig Positive an der Trennung war. Brot, Nudeln, Pizza oder Nachtisch ließ ich einfach weg – einmal die Woche “sündigte” ich, aber nicht übermäßig. Wein und Bier gönnte ich mir weiterhin und viel Gemüse und Obst (ja, auch zuviel Fleisch), trotzdem nahm ich ab. Als bekennender Hedonist habe ich mir einige Tricks dazu überlegt, dazu später mehr.

Regelmässig gerannt bin ich erst später, zuerst bin ich viel gegangen und habe statt U-Bahn einfach mal 3-4 Kilometer zum Büro zu Fuß zurückgelegt. Dazwischen bin ich ab und zu mal etwas gejogged.

Erst Essen umstellen, dann Laufen

Dann kam der April 2021 – mitten in der Corona-Pandemie musste ich berufsbedingt irgendeine Software in irgendeinem fernen orientalischen Land installieren und die regionalen Regelungen war quarantänemässig harsch und schlichtweg langweilig. Ich schnappte mir ein paar Turnschuhe und fing an, das Laufband des Hotels mit meinen nun 94 Kilogramm zu belästigen.

Bei der ersten Sitzung war nach 2 Kilometer Schluss und ich sehr kurzatmig. “Das ist peinlich” war mein erster Gedanke, der zweite war viel furchteinflößender: “Ich bin alt geworden”. Das war 4 Tage vor meinem 48ten Geburtstag.

Ab dann übernahm das Laufen und Schwimmen die Therapie. Sechs Wochen lang bestand mein Alltag aus 1 Stunde Sport und 10 Stunden Computerarbeit. Nach den sechs Wochen waren es nochmal 6 Kilogramm, die runter waren und ich rannte schon 4 Kilometer ohne zusammenzuklappen.

Ziel erreicht: 22kg weniger!

Lauf-Ziele und Kilogramm-Ziele

Zurück in Deutschland Mitte Juni nahm ich “Operation 79kg” in Angriff und ging regelmäßig laufen – entweder draußen oder im Fitness-Studio auf dem Band. Heute habe ich mein Ziel erreicht und schaffe meine ersten 10 Kilometer am Stück ohne Atemnot. Dann ist zwar Schluss, aber stolz bin ich darauf schon.

Das waren also nochmal 9 Kilogramm in 4 Monaten. Die Pfunde purzelten jetzt konstant wobei ich mehr und weiter lief. Insgesamt sind es heute 22 Kilogramm in 11 Monaten.

Jetzt klingt das alles ganz easy und die ganze Lauferei und das Abnehmen sind einfach “so passiert”. Die Verkettung unglücklicher Umstände als Motivation endlich was tun. Das war sicherlich der Auslöser, aber etwas mehr Aufwand ist leider schon dabei. Ich möchte diesen “Blog” dazu nutzen, all denen, die zu Silvester oder warum auch immer den Anfang machen wollen, ein paar Anregungen zu geben.

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